Redaktionelle Rezensionen:
Aus der Amazon.de-Redaktion
In punkto Optik sieht er genau so aus, wie man sich die Figur des KĂ€ptân Nemo im Roman â20.000 Meilen unter dem Meerâ von Jules Verne vorstellt, markant, tollkĂŒhn und auch ansonsten nicht von schlechten Eltern: âDer Grafâ, Kopf der Band Unheilig, der sich selbst gerne als âder bekannteste Unbekannte der Musikbrancheâ tituliert. Allein der Albumtitel GroĂe Freiheit lĂ€sst ahnen, dass der Vergleich mit der Seefahrt zu nicht weit hergeholt ist, zumal sich hier Songs finden wie âDas Meerâ, âSeenotâ, âSternbildâ und âUnter Deiner Flaggeâ. Das hört sich nach Seefahrerromantik an, nach Dahinsegeln unter nĂ€chtlichem Firmament, nur erhellt vom Kreuz des SĂŒdens, -doch weit gefehlt. Lediglich 30 Sekunden wĂ€hrt diese Illusion zu Beginn des Albums in Form einer atmosphĂ€risch dichten Klangcollage mit Chansongesang und Schiffsirenen, dann ist Schluss mit lustig. Der kurze Tagtraum wird unsanft von der musikalischen RealitĂ€t eingeholt, die sich wohl am prĂ€gnantesten mit dem Begriff âRammstein-Lightâ umschreiben lieĂe: DĂŒsterer Gesang mit martialischen Inhalten wie âKomm geh mit mir zum Meer, um auf ein Schiff zu gehenâ und âSeil und Tau brennt sich ins Fleisch, ĂŒber mir das Himmelreichâ, begleitet von Klangewittern aus Gitarre, Drums und jeder Menge Elektronik. Auch Songs wie âAbwĂ€rtsâ und âUnter Feuerâ fallen in diese Kategorie. Hier geht mĂ€chtig die Heavy-Gothic-Post ab, was vor allem in Hinblick auf die anstehende Tournee fĂŒr Fans von Interesse sein dĂŒrfte. Doch so wie jedes Unwetter irgendwann einmal ein Ende hat und der Sonne Platz macht, verhĂ€lt es sich auch mit der musikalischen GroĂwetterlage auf GroĂe Freiheit. SpĂ€testens nach der HĂ€lfte des Albums weicht die musikalische Kraftmeierei sanfteren Tönen von Streichern, Harfe und gezupfter Akustik-Gitarre. Dann offenbaren Balladen wie âHeimatsternâ und âUnter Deiner Flaggeâ, dass es neben den harten schwarzen Seiten âdes Grafenâ auch noch weiche und verletzliche gibt. Freilich nur, solange es um die Liebe geht, denn schon beim ĂŒbernĂ€chsten Song âFernwehâ ist er wieder unterwegs, die Welt zu erobern: âFerne Welt ich komme!â - Andreas Schultz